Zu alt zum Aufheben

29.08.2013

Kurz vor 11 Uhr hatte sich gestern eine kleine Menschentraube in der Maximilianstraße vor dem Altpörtel gebildet. Auf dem Boden etliche 50-Cent-Stücke mit gelbem Aufkleber: „Wenn Sie zu alt sind, um das selbst aufzuheben, sind wir für Sie da. Die Altenpflege“ war darauf zu lesen. Mit der 50-Cent-Münzen-Kampagne will die PflegeGesellschaft Rheinland-Pfalz auf die Arbeitssituation, die Zukunftschancen und die Unverzichtbarkeit der Berufe in der Altenpflege aufmerksam machen. „Wir wollen, dass sich das öffentliche Bewusstsein ändert und Pflegekräfte für ihre anspruchsvolle Arbeit mehr Wertschätzung erhalten“, sagte Solveigh Schneider von der Diakonie Pfalz und Vorsitzende der PflegeGesellschaft Rheinland-Pfalz.

Die Pflegeberufe hätten in Deutschland ein schlechtes Image. Auch durch negative Medienberichte werde dies unterstützt, so Schneider. "Das wirkt sich auf die Berufswahl junger Menschen aus. Bevor sie sich für einen Beruf in der Altenpflege entscheiden, prüfen sie erst eine Reihe von Alternativen ab“, sagt Sebastian Rutten, Geschäftsführer der PflegeGesellschaft. „Der Beruf des Alten- und Krankenpflegers ist immer eine Berufung“, sagte Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU). Werner Schwartz, Vorsteher der Diakonissen Speyer-Mannhein, betonte: „Kaum jemand weiß, wie anspruchsvoll die Arbeit mit alten Menschen wirklich ist und wie erstklassig sie zuhause sowie in den Einrichtungen in Deutschland tatsächlich betreut werden. “Daran könnten auch die Tage der offenen Tür nicht viel ändern, denn Pflege finde in Deutschland weitgehend im Verborgenen statt.

Die demografische Entwicklung und die Zunahme von Altersdemenz stellten Herausforderungen für die Arbeit mit alten Menschen dar, sagte Kabs. „Wir stoßen aufgrund einer zu dünnen Personaldecke und der Forderung nach immer detaillierterer Dokumentation mit unserer Arbeit oft an Grenzen“, berichtete Gudrun Wolter, Leiterin des St. Marthaheims, aus der Praxis. Auch für Rutten ist dies ein Thema: Politik, Krankenkassen und Angehörige setzten auf immer mehr Kontrolle, die nur durch minutiöse Dokumentation möglich würde, sagt er. „Wichtig ist aber, ob die Arbeit ordentlich gemacht wird, nicht, ob gut dokumentiert wird“, sagte er. Schon jetzt fehlen in der Pfalz über 950 Pflegekräfte, 2020 werden es schon 3000 sein. Ein Thema, für das sich das Verbeugen lohnt. (monx)

Quelle: Rheinpfalz.de

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