Münzen mit Botschaft

28.09.2013

Pflege-Kampagne will Nachwuchs interessieren und Image der Pflege verbessern helfen

VON MARKUS KNOPP

„Pflegesignal“ heißt die aktuelle Kampagne der PflegeGesellschaft Rheinland-Pfalz. Mit der wollen die in der Gesellschaft zusammengeschlossenen Einrichtungen das Thema Pflege ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit bringen und bei jungen Menschen Interesse an Pflegeberufen wecken. Gestern Vormittag haben Mitstreiter dafür vor dem Rathaus-Center geworben.

Die Kampagne ist auf jeden Fall außergewöhnlich: Anstatt auf Plakaten wirbt die PflegeGesellschaft mit Botschaften auf 50-Cent-Münzen für ihr Anliegen. „Wenn Sie zu alt sind, um das selbst aufzuheben, sind wir für Sie da“, steht schwarz auf gelb auf den auf den Münzen aufgebrachten Aufklebern. Das Geld liegt dabei im wahrsten Wortsinn auf der Straße, gestern vorm Rathaus-Center, und auch in den nächsten Tagen könnten Bürger noch hier und da in der Fußgängerzone die beklebten 50-Cent-Stücke finden, sagte Sebastian Rutten, Geschäftsführer der PflegeGesellschaft. Die Fundstücke sollten dazu anregen, sich über das Thema Pflege Gedanken zumachen.

Zu alt zum Bücken waren viele gestern nicht, die Münzen wurden munter vom Boden aufgerafft. Aber was noch nicht ist, kann ja noch kommen. Schließlich werde die Bevölkerung immer älter, und schon heute fehlten in Rheinland-Pfalz Tausende ausgebildete Pflegekräfte, sagte Manfred Hoffmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der PflegeGesellschaft und Inhaber der WBG Wohnstiftbetriebsgesellschaft mit Sitz in Maxdorf. Wenn sich an dieser Situation nichts ändere, würden in sieben Jahren, also 2020, bis zu 9.000 Mitarbeiter in der Pflege fehlen.

Zwar sei es gelungen, die Zahl der Auszubildenden in der Pflege von etwa 1.800 im Jahr 2005 auf aktuell 2.300  zu steigern, um aber in Zukunft sicherstellen zu können, dass jeder, der Pflege benötigt, diese auch erhält, werde man auch qualifizierte und engagierte Fachkräfte aus dem Ausland beschäftigen müssen, sprach sich Hoffmann für einen einfacheren Zugang von Pflegekräften aus anderen Ländern aus. Der Zugang zum Arbeitsmarkt dürfe solchen Fachkräften in Rheinland-Pfalz deshalb „nicht durch hohe bürokratische Hürden und unrealistische Sprachanforderungen“ unnötig erschwert werden.

- Wenn sich nichts ändert, fehlen 2020 bis zu 9.000 Mitarbeiter in der Pflege. -

Weiter forderte Hoffmann dafür Sorge zu tragen, dass die Mitarbeiter in der Pflege angemessener, sprich besser bezahlt und deren Arbeitszeiten attraktiver werden. Für Letzteres sei es wiederum notwendig, dass die Zahl der in der Pflege Beschäftigten deutlich steige. Holger Scharff, der in seiner Funktion als sozialpolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion bei der Veranstaltung dabei war, wies darauf hin, dass all dies aber auch bezahlt werden müsse. „Es muss klar sein, dass dann die Beiträge steigen“, sagte Scharff.

Als „wichtige Aktion“ bezeichnete die Ludwigshafener CDU-Landtagsabgeordnete Marion Schneid die Kampagne. Sie trage dazu bei, jungen Menschen deutlich zu machen, dass Pflegeberufe wichtige und zugleich auch anspruchsvolle Tätigkeiten seien. „Und man kann aus diesen Berufen auch viel mitnehmen“, sagte Schneid. Die Landespolitikerin wiederholte daher die Forderung, sie attraktiver zu gestalten und so auch dafür Sorge zu tragen, dass Pflegeberufe die gesellschaftliche Anerkennung erfahren, die sie verdienen.

Der Initiator der Kampagne, die PflegeGesellschaft Rheinland-Pfalz, ist eine Arbeitsgemeinschaft, die die Interessen der ambulanten, teilstationären und stationären Pflegeeinrichtungen vertritt. Neben dem Bundesverbandprivater Anbieter sozialer Dienste gehören ihr auch die fünf Verbände der freien Wohlfahrtspflege an: die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die Caritas, die Diakonie, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sowie der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband. Mit rund 340 ambulanten Pflegediensten und mehr als 450 stationären Einrichtungen vertritt die PflegeGesellschaft Rheinland-Pfalz nach eigenen Angaben das Gros der Pflegeeinrichtungen im Land.

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www.pflegesignal.de

Quelle: Rheinpfalz.de

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