Echte 50-Cent für eine Sache, die echten Einsatz verlangt

30.10.2013

Kampagne der PflegeGesellschaft RLP macht Station in Speyer

„Menschen, die beruflich oder privat andere Menschen pflegen, sind die wahren Helden der Gesellschaft", sagte die Vorsitzende der rheinland-pfälzischen PflegeGesellschaft, Solveigh Schneider von der Diakonie Pfalz. Gestern machte die PflegeGesellschaft mit ihrer neuen Kampagne Station in Speyer - und brachte dabei allerhand Münzgeld unter die Leute. Nicht, weil die PflegeGesellschaft zu viel davon hätte, sondern um auf das Thema Pflege aufmerksam zu machen.

Und das gelang. Ungläubiges Staunen in der Domstadt: Das Geld liegt auf der Straße, man muss sich nur bücken und die bedruckten 50-Cent-Münzen aufheben. Wer es schaffte, las auf der Rückseite: "Wenn Sie zu alt sind, um das selbst aufzuheben, sind wir für Sie da. Die Altenpflege. Pflegesignal.de."

„Kaum etwas erregt mehr Aufmerksamkeit als Geld, das auf der Straße liegt. Das wollen wir nutzen, um auf die Herausforderungen im Pflegebereich aufmerksam zu machen", erklärte Schneider. Diese Herausforderungen sind groß: Fehlten im Jahr 2010 in rheinland-pfälzischen Pflegeheimen 965 AltenpflegerInnen, werden es nach Hochrechnungen 2020 bereits etwa 3.000 sein. Über 57.000 alte und kranke Menschen - rund die Hälfte aller Pflegebedürftigen - werden zuhause von Angehörigen gepflegt. Ein Kraftakt, insbesondere für Frauen, die in der Regel in den Familien die Pflege leisten. Die Kampagne will Angehörige informieren und beraten, welche Unterstützung durch Fachkräfte angeboten wird. Zudem sollen durch die Aktion Nachwuchskräfte gewonnen werden. „Wenn sich auch nur ein Teil der Finder Gedanken über dieses wichtige Thema macht, dann hat sich unsere Aktion gelohnt", verdeutlichte Solveigh Schneider. Diese Rechnung ging auf. Menschen blieben stehen und kamen ins Gespräch. Die meisten konnten von Erfahrungen mit dem Thema aus ihrem unmittelbaren Umfeld berichten. Vor allem die mangelnde Wertschätzung des Pflegeberufs und die hohen Kosten für die Pflege wurden von vielen Passanten beklagt.

Bürgermeisterin Monika Kabs freute sich, dass die außergewöhnliche Kampagne in Speyer Station machte. „Echte 5O-Cent-Münzen sind angebracht, um auf eine Sache aufmerksam zu machen, die echten Einsatz verlangt", sagte Kabs. Werner Schwartz, Vorsteher der Diakonissen Speyer-Mannheim sagte: „Pflege findet im Verborgenen statt. Man sieht davon draußen nicht viel. Deshalb sind solche Aktionen enorm wichtig. Sie tragen die Pflege in die Öffentlichkeit." Es sei wichtig zu zeigen, welch gute Arbeit im Bereich der Pflege geleistet werde, aber auch, „dass noch viele Wünsche offen sind, insbesondere angesichts eines Pflegenotstands, von dem wir noch nicht wissen, wie wir ihn bewältigen können."

Schwartz und Schneider wandten sich zudem gegen die unzutreffenden, verkürzenden bis kriminalisierenden Darstellungen der Pflege und des Pflegeberufs in der Öffentlichkeit. „Hier ist ein realistisches Umdenken nötig", mahnte Schwarz. Das Thema Pflege verdiene Unterstützung und die Pflegenden Wertschätzung, anstatt als Talkshow-Aufreger verheizt zu werden.
Solveigh Schneider

Quelle: Speyer.de

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