„Die verdiente Wertschätzung bleibt aus“

07.09.2013

Aktion der PflegeGesellschaft Rheinland-Pfalz in der Innenstadt - 1000 echte 50-Cent-Stücke verteilt

Geld liegt auf der Straße. Das ist in Kaiserslautern echt mal was Neues. Die PflegeGesellschaft Rheinland-Pfalz hat mit einer bemerkenswerten Aktion gestern in der Innenstadt auf fehlendes Personal im Bereich der Pflege hingewiesen. Auch will die Gesellschaft das Image der Pflege in der Gesellschaft nachhaltig verbessern.

Zielgruppe der Kampagne sind Menschen, die in der Entscheidungsphase stehen, ihre Angehörigen der Altenpflege anzuvertrauen. Deren Sorgen und Nöte wollen und sollen ernst genommen werden.

Senioren in gelben T-Shirts mit der Aufschrift ,,Freiwilliges Soziales Jahr“ ziehen durch die belebte Fußgängerzone und lassen 1000 echte 50-Cent-Stücke zu Boden gleiten. Umgedreht macht die Münze deutlich, um was es hier geht: ,,Wenn Sie zu alt sind, um das selbst aufzuheben, sind wir für Sie da. Die Altenpflege - pflegesignal.de.“ steht aufgeklebt da zu lesen.

Oberbürgermeister Klaus Weichel zeigt sich begeistert von der Idee und spricht mit Blick auf den Fachkräftemangel für die Zukunftsregion Westpfalz von einer drohenden Gefahr: "Die Pflege wird Not leiden“.

Der Geldsegen in der Stadt hat nichts damit zu tun, dass die PflegeGesellschaft in Geld schwimmt, rückt Sebastian Rutten, der Geschäftsführer der PflegeGesellschaft, zurecht. Ihm geht es um die Aufmerksamkeit und darum einmal nachzudenken, was Pflege wirklich bedeutet. 35.000 Mitarbeiter betreuen in Rheinland-Pfalz 55.000 Menschen. ,,Das ist mehr als Waschen und Füttern, das ist ein Stück Lebensqualität zurückgeben“, plädiert Rutten für Anerkennung der Pflegenden. In Deutschland arbeiteten 1,2 Millionen Menschen in der Pflege, die allzu schnell an den Pranger gestellt und mit härteren Gesetzen konfrontiert würden, so Rutten. Die verdiente Wertschätzung, die bleibe vielfach aus. Mit der Aktion will seine Gesellschaft auch jene 57.000 Menschen erreichen, die ihre Angehörigen zuhause betreuen.

Bis 2020 fehlen im Land etwa 3.000 Nachwuchskräfte, führt Rutten weiter ziemlich bedrohliche Zahlen an. Das Interesse der jungen Menschen auf eine Ausbildung in der Pflege lenken, nennt er deshalb ein weiteres Ziel der Kampagne ,,Pflegesignal“, die außer in Kaiserslautern in weiteren Städten stattfinden wird.

Unterstützung gibt es von Rose Götte, der ehemaligen Sozialministerin des Landes. Götte verteilt ein großes Kompliment an die Aktion und ruft dann unüberhörbar durch das Mikrofon eine Botschaft an vorbeiziehende junge Leute: ,,Überlegt euch bitte, ob der Pflegeberuf nicht etwas für euch ist. Dieser Beruf hat Zukunft, weil wir Alten euch brauchen!“ Sie schlägt allerdings auch den Bogen zu den rüstigen Senioren, die als geschulte Ehrenamtler in der Pflege genauso dringend benötigt werden.

Gustav Herzog, der Bundestagsabgeordnete, stellt sich als ,,Pflegepraktikant“ hinter die großartige Leistung der Pflegekräfte. Einmal im Jahr arbeitet er für einen Tag als Pflegehelfer, so seine Erklärung. Rose Götte hatte allerdings dann doch eher an ein Ehrenamt gedacht, dem wenigstens einmal pro Woche nachgegangen wird.

Da schmunzeln die Senioren in den gelben T-Shirts, die vollen Einsatz im eigenen Interesse zeigen. Gabriele Huber, die Leiterin der DRK-Seniorenzentren in Kaiserslautern, hat die Bewohner des betreuten Wohnens für den Job „Bring das Geld unter die Leute und lass sie über das Alter nachdenken“ begeistern können. Zusammen mit den Senioren waren gestern Mitarbeiter des DRK-Kreisverbandes ,,geldstreuend“ für ein besseres Image der Pflege unterwegs.

Quelle: Rheinpfalz.de

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