50-Cent-Münzen zur Imageverbesserung von Pflegeberufen

23.08.2013

TRIER. Am heutigen Mittwoch lud die Pflegegesellschaft Rheinland-Pfalz e.V. zu der Aktion "Pflegesignal" auf den Kornmarkt ein. Neben kurzen Reden von Oberbürgermeister Klaus Jensen, Diözesan-Caritasdirektorin Birgit Kugel und Caritasdirektor Bernd Kettern über den akuten Fachkräftemangel in der Altenpflege standen 50-Cent Münzen im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Sebastian Rutten, Geschäftsführer der Pflegesellschaft beim Auslegen der MünzenDie Pflegegesellschaft Rheinland-Pfalz e.V. ist eine Arbeitsgemeinschaft der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege und des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste. Ihr Ziel ist das Aufzeigen von neuen Perspektiven für die pflegerische Versorgung. Mit rund 340 ambulanten Diensten, die etwa 20.000 Patienten betreuen, und über 450 stationären Einrichtungen mit rund 33.000 Plätzen, stellt die Gesellschaft einen Großteil der Pflegewirtschaft im Land dar.

Mit der ungewöhnlichen Kampagne "Pflegesignal" (lokalo berichtete) will der Verein für den Pflegeberuf werben. Im Jahre 2010 fehlten in rheinland-pfälzischen Pflegeheimen ganze 965 Altenpflegerinnen. Die Tendenz ist steigend und durch den demographischen Wandel, der mit einem erhöhten Bedarf an Betreuungs- und Pflegemöglichkeiten einhergeht, sehr alarmierend. Etwa 57.000 der alten und kranken Menschen in Rheinland-Pfalz werden zu Hause von Angehörigen gepflegt. Für viele ist dies ein nur schwer zu bewältigender Kraftakt.

"Unsere zentrale Anliegen sind es, den gesellschaftlichen Wert der Pflege zu verdeutlichen, die Attraktivität des Pflegeberufs aufzuzeigen und über mögliche Unterstützungs- und Entlastungsmöglichkeiten für Betroffene zu informieren", so die Diözesan-Caritasdirektorin Birgit Kugel. Es sei zwingend notwendig, Themen wie Krankheit und Tod nicht weiter zu verdrängen, sondern sich bewusst zu machen, dass man selbst nicht davor gefeit ist, zum Pflegefall zu werden. Auch der Oberbürgermeister Klaus Jensen sprach von einem "sehr wichtigen Thema, das in der gesellschaftlichen, aber vor allem in der politischen Diskussion viel zu kurz kommt." Darüber hinaus sprach er den demographischen Wandel an: "Wir müssen uns alle darüber klar werden, dass die Gesellschaft immer älter wird und das Thema dadurch zunehmend an Wichtigkeit gewinnt. Angst, dass wir im Alter keine entsprechende Pflege erhalten, müssen wir aber nicht haben." Dies begründete er mit der "sehr guten Infrastruktur im Bereich der Pflege", sowie der "hervorragenden medizinischen Versorgung in Trier."

Auch Mareike aus Trier hörte sich die öffentlichen Reden an. "Ich war zufällig hier und wollte etwas für die Uni lernen. Als ich bemerkte, dass es um das Thema Pflege geht, habe ich die Lernmaterialien kurz weg gepackt und zugehört. Ich habe selbst ein Praktikum in einem Altenheim gemacht und weiß, wie es dort abläuft. Es gibt einfach zu wenig Personal in diesem Bereich. Da muss dringend etwas getan werden, am besten von politischer Seite", so die Studentin.

Um die Aufmerksamkeit der Menschen auf das brisante Thema zu lenken, gehen die Verantwortlichen einen ungewöhnlichen Weg. Sie verzichten fast gänzlich auf Plakate und Informationsbroschüren. Stattdessen greifen sie auf Münzgeld zurück. Was im ersten Moment nach einer Bestechungstaktik aussieht, stellt sich als clevere Werbekampagne heraus. Zuerst wurden die 50-Cent Münzen mit einem Aufkleber auf der Rückseite präpariert. Dieser trägt den Schriftzug: "Wenn Sie zu alt sind, um das selbst aufzuheben, sind wir für Sie da. Die Altenpflege pflegesignal.de". Im zweiten Schritt verteilten die Verantwortlichen die Münzen auf dem Kornmarkt. Jeder Fußgänger, der eine Münze aufhob, wurde angesprochen und bei Interesse in ein Gespräch verwickelt.

Die Verantwortlichen der Kampagne sind von der ungewöhnlichen Vorgehensweise überzeugt. “Wir sind uns sicher, dass Geld auf der Straße die notwendige Aufmerksamkeit erregt. Plakate hingegen lenken nur einen kurzen Augenblick die Konzentration des Betrachters auf sich und Prospekte landen schneller im Müll als sie verteilt wurden“, erklärte Sebastian Rutten, Geschäftsführer der Pflegegesellschaft. "Die erste Aktion in Mainz war ein voller Erfolg. Wir haben von den Menschen größtenteils positives Feedback erhalten und die Klickraten auf unserer Homepage nahmen zu. Das motiviert uns für die kommenden Veranstaltungen", so Rutten weiter.

Die Aktion läuft noch bis Ende September. Der nächste Zwischenstopp wird am 28. August in Speyer eingelegt. Danach geht es noch nach Koblenz, Ludwigshafen und Kaiserslautern. (pm/tw)

Quelle: lokalo.de

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