1500 Münzen für mehr Pflege - Trierer Volksfreund

16.08.2013

Aktionsbündnis macht auf Notstände bei der Versorgung alter und kranker Menschen aufmerksam.

In Trier gibt es rund 200 Menschen, die stationär, ambulant oder zu Hause gepflegt werden. Im Jahr 2030 sollen es laut Prognosen 2700 sein – dabei ist der Fachkräftemangel in der Altenpflege schon jetzt groß. Eine landesweite Kampagne will für das Problem sensibilisieren.

 

Trier. Ein Blick auf den Boden, ein kurzes Zögern, dann bückt sich die alte Frau und klaubt das 50-Cent- Stück vom Pflaster der Sternstraße auf. 1500 Mal dürfte sich diese Szene am Donnerstag in der Trierer Fußgängerzone ähnlich abgespielt haben. So viele 50-Cent-Münzen hat die Arbeitsgemeinschaft Pfl gegesellschaft Rheinland-Pfalz (siehe Extra) gestern in den Straßen rund um den Kornmarkt und auf diesem selbst verteilt. Auf der Rückseite der Münzen klebt ein gelber Aufkleber: „Wenn Sie zu alt sind, um das aufzuheben, sind wir für Sie da. Die Altenpflege“, steht darauf.

Mit der Aktion soll insbesondere auf den Personalnotstand in der stationären und ambulanten Pflege hilfebedürftiger Menschen aufmerksam gemacht werden. Weitere 1500 Münzen werden in den nächsten Tagen in Trier und der Region verteilt. Die Aktion findet in allen großen Städten in Rheinland-Pfalz statt.

„Pflege ist mehr als satt und sauber“, sagte Diözesan-Caritasdirektor Bernd Kettern, „es geht dabei um den Menschen und seine Seele.“ Doch die Pflegebedingungen seien nicht mehr zumutbar. „Alles ist streng zeitlich getaktet – das ist zwar gut für die Kostentransparenz, die wichtig ist, aber es bleibt immer weniger Zeit für den Menschen“, sagte Kettern. Auch Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen kritisierte, dass das Thema Pflege in der Politik noch nicht die Bedeutung habe, die es angesichts des Fachkräftemangels und der immer größer werdenden Zahl pflegebedürftiger Menschen haben müsse. „Es kann nicht sein, dass für jede

Tätigkeit am Auto mehr bezahlt wird als für den Dienst am Menschen“, sagte Jensen. Nicht nur die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Fachkräfte müssten verbessert werden, sondern auch die Unterstützung all jener, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen. „Auch durch die Arbeitgeber! Nicht nur die Betreuung von Kindern, auch die Pflege von Angehörigen muss durch flexible Arbeitszeitmodelle ermöglicht werden.“

Caritasdirektorin Birgit Kugel erläuterte die Ziele der Kampagne: „Die Themen Alter, Krankheit und Sterben werden leider häufig aus dem Alltag verdrängt, die Pflege habe daher einen zu geringen Stellenwert in der Gesellschaft. Darauf wollen wir aufmerksam machen“, sagte Kugel. Zweitens wolle man mit jungen Menschen ins Gespräch kommen und ihnen vermitteln, dass Pflegeberufe „interessant und erfüllend sind und sie angesichts des steigenden Bedarfs eine sichere Zukunft haben“. Außerdem soll informiert werden, welche stationären und ambulanten Pflegeangebote es im Land gibt und welche Unterstützung Menschen in Anspruch nehmen können, Angehörige zu Hause pflegen.

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